Kontaktlinsen

Kontaktlinsen: Eine adäquate Alternative zur Brille?

Spätestens dann, wenn einem das Lesen der Preisschilder beim alltäglichen Supermarktbesuch jedes Mal aufs Neue vor eine unlösbare Aufgabe stellt, ist die dauerhafte Zuhilfenahme einer Sehhilfe unumgänglich. Dabei greifen immer mehr Kunden zu Kontaktlinsen, anstatt zu den herkömmlichen Augengläsern. Doch was sind die Vor- und Nachteile, welche verschiedenen Arten gibt es und auf was sollte man beim Kauf unbedingt achten? Über diese und viele weitere Fragen zum Thema "Kontaktlinsen" wird Sie der folgende Artikel aufklären.

Die Geschichte der Kontaktlinse

zwei Kontaktlinsen

Erste Visionen zu diesem Thema entwickelte bereits der florentinische Tausendsassa Leonardo Da Vinci und beschrieb in seinem 1508 erschienenen Werk "Kodex D über das Auge" die optischen Effekte einer wassergefüllten Glaskugel auf dem Auge. Geht es um die Erfindung der ersten gläsernen Kontaktlinsen,sind drei Namen von besonderer Relevanz: Adolf Fick, Eugene Kalt und August Müller.

Fick war ein Augenarzt aus der Schweiz und verwendete 1888 erstmals Glaslinsen um Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Parallel dazu beschäftigten sich auch der Pariser Augenarzt Kalt, sowie der Deutsche Medizinstudent Müller mit dem Einsatz von geblasenen, bzw. später dann auch geschliffenen Linsen. 1918 gelang es schließlich dem Weimarer Feinoptiker Carl Zeiss ein Patent für Kontaktlinsen aus Zelluloid anzumelden. Da sich Zelluloid jedoch nicht als optimal hinsichtlich der optischen Eigenschafen herausstellte, entwickelten Thier, Fritz,Teissler und Feinbloom um 1940 die erste Kunststofflinse.

Schließlich war es Heinrich Wöhlk der sechs Jahre später die erste Linse aus Plexiglas fertigte und somit als Erfinder der Kontaktlinse gilt, so wie wir sie heute kennen.

Die Funktionsweise der Kontaktlinse

Infografik Unterschied Plus- und Minusglas

Zunächst muss man zwischen zwei Arten der Fehlsichtigkeit unterscheiden: 1. Kurzsichtigkeit (Myopie) und 2. Weitsichtigkeit (Hyperopie). Beide entstehen aus einem Missverhältnis zwischen Länge des Augapfels und Brechkraft der Augenlinse. Bei kurzsichtigen Menschen ist entweder der Augapfel zu lang oder die Brechkraft zu stark. In beiden Fällen liegt der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen dann vor der Netzhaut statt auf ihr drauf, wodurch schließlich die unscharfen Bilder entstehen.

Bei Hyperopie liegt der gegensätzliche Sachverhalt vor: Da entweder der Augapfel zu kurz, oder die Brechkraft der Augenlinse zu schwach ist,liegt der Brennpunkt der Lichtstrahlen hier hinter der Netzhaut. Dadurch haben Betroffene Schwierigkeiten nahe Gegenstände scharf zu sehen.

Bei Weitsichtigen schafft die sogenannte "Sammellinse" (Plusglas) Abhilfe, indem sie die Strahlen bündelt und so dafür sorgt, dass der Brennpunkt wieder auf der Netzhaut liegt.Im Gegenzug hilft den Kurzsichtigen die "Zerstreungslinse" (Minusglas), welche dafür sorgt, dass das Licht nicht gebündelt sondern gestreut wird. Dadurch wird die starke Brechung der natürlichen Augenlinse ausgeglichen.

Weiche versus harte (formstabile) Kontaktlinsen

Weiche Linsen:
Wie der Name schon vermuten lässt, können diese mit hoher Flexibilität und einer sanften Anpassung an die Form der Hornhaut punkten. Ihr Durchmesser liegt dabei zwischen 12 und 16 mm. Die Vorteile sind einer kürzeren Gewöhnungsphase, geringere Kosten bei sporadischer Nutzung, sowie eine bessere Haftung auf der Hornhaut. Die Nachteile sind eine geringere Haltbarkeit, größere Infektionsgefahren, sowie höhere Kosten bei täglicher Nutzung.

Harte Linsen:
Im Gegensatz zu den weichen sind die harten Kontaktlinsen kleiner und weniger biegbar, wodurch eine längere Eingewöhnungsphase für das Auge besteht. Außerdem sitzen sie nicht so fest auf der Hornhaut und sind zudem teurer in der Anschaffung. Punkten können diese dafür durch eine wesentlich längere Haltbarkeit, sowie einer optimalen Sauerstoffversorgung des Auges.

Multifokale und torische Linsen

Multifokale Linsen
Auch als Gleitsicht Kontaktlinsen bezeichnet, kommen diese bei der Alterssichtigkeit zum Einsatz. Das Besondere dabei ist, dass beim Blick durch Gleitsicht Kontaktlinsen Fern- und Nahstärke gemeinsam wirken. Dadurch ist es nun möglich simultan ein scharfes Bild der Ferne, als auch der Nähe erzeugen zu können und an das Gehirn weiterzuleiten. Diese Linse kann somit in allen Lebenssituationen Hilfestellung leisten.

Torische Linsen
Leidet man unter Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) so stellen diese Art von Haftlinsen die beste Wahl dar. Durch die torische Kontaktlinsen werden nämlich die Ungleichmäßigkeiten der Hornhaut ausgeglichen.

Tragedauer

Jahreslinsen
Jahreslinsen sind durch einen höheren Anschaffungspreis gekennzeichnet, welcher sich aber aufgrund der längeren Haltbarkeit rentiert. Oberste Priorität kommt hier der Pflege mit einem speziellen Reinigungsmittel zu, da es durch den langen Zeitraum unweigerlich zu Schmutzablagerungen kommt.

Monatslinsen
Monatslinsen werden täglich neu eingesetzt und halten ca. 30 Tage am Stück. Über Nacht werden die Kontaktlinsen in einem Kontaktlinsenbehälter verstaut und morgens wieder frisch eingesetzt.

Wochenlinsen
Die Wochenlinse bildet eine Symbiose aus den positiven Eigenschaften der Monats- und Tageslinse. So sind sie weniger pflegeintensiv als Monatslinsen und können dennoch bis zu sieben Tagen hintereinander getragen werden.

Tageslinsen
Tageslinsen stellen mit 1 Euro pro Stück die günstigste Variante dar, sind aber aufgrund des hohen Verschleißes unterm Strich trotzdem kostenintensiver. Tageslinsen sind vor allem sinnvoll, wenn sie nur in Ausnahmesituationen (z.B. bei sportlicher Aktivität) als Brillenersatz dienen. Da diese ohnehin am Tagesende entsorgt werden, fällt die Pflege komplett weg.

Brille oder Kontaktlinse?
Brille oder Kontaktlinse

Die richtige Wahl der Sehhilfe ist sehr individuell und stark von persönlichen Präferenzen geprägt. Der geringere Störfaktor bei sportlicher Aktivität, die fehlende optische Beeinträchtigung des eigenen Erscheinungsbildes, sowie das Wegfallen der lästigen Druckstellen sprechen für die Kontaktlinse.

Bei der herkömmlichen Brille hingegen stehen eine hohe Flexibilität, der Schutz vor Staub und Zugluft, sowie eine unkomplizierte Handhabung auf der Habenseite. Also wofür sollte man sich nun entscheiden: Brille oder Kontaktlinse? Ob man nun Verfechter der einen, oder der anderen Sehhilfe ist, ein Besuch beim Optiker klärt über die Vorteile und Risiken auf und unterstützt Sie so effektiv bei Ihrer Entscheidungsfindung.


Vorteile von Kontaktlinsen:
  • Können beim Sport getragen werden z. B. beim Schwimmen oder Joggen
  • Kein Verkratzen und Beschlagen
  • Modischen Aspekte stehen nicht im Vordergrund
  • Es lassen sich alle Fehlsichtigkeit mit Kontaktlinsen ausgleichen
  • Können mit Sport- und Sonnenbrillen ohne Sehstärke getragen werden
  • Kein eingeschränktes Sichtfeld
Nachteile von Kontaktlinsen:
  • Regelmäßige und intensive Reinigung und Pflege
  • Wiederkehrende Kosten in regelmäßigen Abständen
  • Handhabung insgesamt aufwendiger

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